Historie

Themenüberblick

1. Publikumspreis der Theatergemeinde Gelsenkirchen e.V.

2. Wahl der Preisträger

3. Die geschichtliche Entwicklung

Publikumspreis der Theatergemeinde Gelsenkirchen e.V.

Mit der Spielzeit 1988/89 wurde der Publikumspreis für die beliebteste Solistin und den beliebtesten Solisten ins Leben gerufen. Der Publikumspreis - Arbeiterfigur in Bronze - wurde für die Theatergemeinde von Tisa von der Schulenburg - auch bekannt unter dem Namen Schwester Paula - geschaffen.

Die dargestellte Figur soll den Menschen dieser Stadt, dieser Region symbolisieren.

Im Rahmen des jährlichen Preisträgerkonzertes der Theatergemeinde werden zu Beginn der Spielzeit die Preise den Preisträgern überreicht.

Wahl der Preisträger

Den Mitgliedern der Theatergemeinde wird am Ende einer Spielzeit ein Stimmzettel mit allen Solisten und Solistinen der Spielzeit zugesandt. Nach Rücksendung aller Stimmzettel an die Geschäftsstelle werden diese ausgewertet und die Solistin/ der Solist der danach die meisten Stimmen auf sich vereinen konnte, ist der Publikumsliebling und Gewinner des Theaterpreises. Die Preisträger werden damit ausschließlich von den Mitgliedern der Theatergemeinde ermittelt.

Nachfolgend sind alle Preisträger der Theatergemeinde in zeitlicher Reihenfolge aufgelistet:

Spielzeit 1988/1989Elise KaufmanTom Martinsen
Spielzeit 1989/1990Edit LehrMario Brell
Spielzeit 1990/1991Richetta ManagerMario Brell
Spielzeit 1991/1992Eva TamulènasJohn Riley-Schofield (verstorben)
Spielzeit 1992/1993Richetta ManagerOlafur Bjarnason
Spielzeit 1993/1994Edit LehrThomas Piffka
Spielzeit 1994/1995Noriko OgawaJohn Riley-Schofield (verstorben)
Spielzeit 1995/1996Anke SieloffStefan Vinzberg
Spielzeit 1996/1997Anke SieloffThomas Piffka
Spielzeit 1997/1998Ines KromeJosé Montero
Spielzeit 1998/1999Edit LehrKrzysztof Klorek
Spielzeit 1999/2000Elise KaufmanKrzysztof Klorek
Spielzeit 2000/2001Regine HermannNikolai Miassojedov
Spielzeit 2001/2002Claudia BraunErin Caves
Spielzeit 2002/2003Anke SieloffGaines Hall
Spielzeit 2003/2004Regine HermannJoachim Gabriel Maaß
Spielzeit 2004/2005Regine HermannJee-Hyun-Kim (verstorben)
Spielzeit 2005/2006Hrachuhì BassènzJee-Hyun-Kim (verstorben)
Spielzeit 2006/2007Anke SieloffJee-Hyun-Kim (verstorben)
Spielzeit 2007/2008Anke SieloffJoachim Gabriel Maaß
Spielzeit 2008/2009Anna AgathonosWilliam Saetre
Spielzeit 2009/2010Christa PlatzerLars Oliver Rühl
Spielzeit 2010/2011Noriko Ogawa-YatakeJoachim G. Maaß
Spielzeit 2011/2012Petra SchmidtPiotr Prochera
Spielzeit 2012/2013Petra SchmidtNeue Philharmonie Westfalen
Spielzeit 2013/2014E. Mark MurphyBallett-Ensemble

Die geschichtliche Entwicklung

Am Anfang der Volksbühnenbewegung stand die "Alte Tante": ein illegaler Berliner Lese- und Diskutierklub, in dem sich Ende des 19. Jahrhundert bildungs- und kulturhungrige Arbeiter trafen. Das Sozialistengesetz unterband Versammlungen und Publikationen und verhinderte die kulturelle Förderung der Arbeiter. Aber es fanden sich Mittel und Wege, das Gesetz zu umgehen. Man gründete Vereine, die unter den harmlosesten Namen angemeldet wurden.

Einer dieser Vereine war die "Alte Tante", bei dem der Schriftsteller Dr. Bruno Wille Vorträge hielt. In dieser literarischen Bewegung versammelte sich eine Gruppe von Schriftstellern, unter ihnen auch der junge Gerhart Hauptmann. Ihre Werke befaßten sich mit sozialen Themen. Diese zeitkritischen Stücke konnten natürlich nicht an den Theatern aufgeführt werden; die Zensur wäre sofort eingeschritten. So kam es in Berlin 1889 durch diesen Umstand zur Gründung der "Freien Bühne", eines Vereins von etwa 1000 Mitgliedern, der in geschlossenen Vorstellungen und somit unter Umgehung der Zensur, Stücke von Ibsen, Tolstoi, Zola, Hauptmann, Holz und Schlaf aufführte. Der Zusammenschluss der "Alten Tante" und der "Freien Bühne" scheiterte an den hohen Mitgliedsbeiträgen von monatlich 5 Mark, den ein Arbeiter niemals aufbringen konnte.

In dieser Situation veröffentlichte Dr. Bruno Wille am 23.März 1890 im "Berliner Volksblatt" einen Aufruf zur Gründung einer Freien Volksbühne. In der "Freien Volksbühne" sollte sich der Emanzipationskampf der Berliner Arbeiter mit den progressiven Bestrebungen der jungen Schriftsteller-generation verbinden. Bruno Wille schlug vor, geschlossene Vorstellungen, zur Ausschaltung der Zensur, zu veranstalten, den Beitrag so niedrig zu halten, daß sich auch ein Arbeiter die Mitgliedschaft leisten konnte.

Die Resonanz auf diesen Aufruf war überraschend groß. Hunderte von Anmeldungen liefen ein, teils einzeln, teils auf Sammellisten. Am 29.Juli 1890 wurde eine öffentliche Versammlung einberufen, auf der Dr. Bruno Wille über die Ziele des zu gründenden Vereins referierte. Der Leitgedanke der Volksbühnenbewegung ist bis heute gültig geblieben: "Die Kunst soll dem Volke gehören, nicht aber Privilegium eines Teils der Bevölkerung, einer Gesellschaftsklasse sein." Zehn Tage später, am 08.August 1890, wurde die "Freie Volksbühne" gegründet. Die Versammlung wählte Dr. Bruno Wille zum ersten Vorsitzenden.

Der Verein arbeitete nach demokratischen Grundsätzen und schloß von vornherein alle sozialen Rangunterschiede aus. Jedes Mitglied zahlte einen einheitlichen Beitrag von 50 Pfennig pro Vorstellung, die Plätze wurden vor Aufführungsbeginn verlost. Diesen Prinzipien "Einheitsbeitrag" und "Platzwechsel" ist die Volksbühne/Theatergemeinde bis heute treu geblieben.

Als Eröffnungsvorstellung am 19.Oktober 1890 hatte der künstlerische Ausschuss Ibsens "Stützen der Gesellschaft" ausgewählt. Der Spielplan der ersten beiden Jahre beinhaltete Stücke wie: Ibsens " Nora", "Gespenster", Hauptmanns "Vor Sonnenuntergang", Zolas "Therese Raquin", Schillers "Kabale und Liebe" und "Die Räuber". Schon im zweiten Jahr ihres Bestehens zählte die "Freie Volksbühne" 4000 Mitglieder. Im Oktober 1892 spaltete sich die Volksbühne in zwei Vereine ("Freie Volksbühne" und "Neue Freie Volksbühne").

1895 - die "Freie Volksbühne" zählte 8000 Mitglieder, die "Neue Freie Volksbühne" 1500 - verfügte der Berliner Polizeipräsident, daß die Vorstellungen der beiden Vereine nicht mehr als "geschlossen" zu betrachten seien und sie deshalb ihre Stücke der Zensurbehörde zur Genehmigung einzureichen haben. Beide Vereine klagten, wurden aber abgewiesen. Die "Neue Freie Volksbühne" änderte ihre Statuten und nahm im November 1986 ihre Tätigkeit wieder auf. Die "Freie Volksbühne" dagegen löste sich auf. Erst im März 1897 kam es zur Wiedergründung.

Als es der "Freien Volksbühne" immer schwieriger wurde, die wachsende Zahl der Mitglieder in den eigenen Nachmittagsaufführungen unterzubringen, ging man dazu über, die geschlossenen Vorstellungen, wie die "Neue Freie Volksbühne" durch eine beschränkte Zahl von gemieteten Plätzen zu ergänzen. Schon 1905 war die Mitgliederzahl auf 10000 angewachsen, im Jahre 1911 zählte sie 50000 Mitglieder. In diesen Jahren des stürmischen Wachstums reife der Plan, ein eigenes Theater zu bauen. Der Plan des eigenen Theaters bewirkte den Zusammenschluß der beiden Vereine. Im April 1920 schlossen sie sich zur "Berliner Volksbühne e.V." zusammen.

Am 14. September 1913 erfolgte die Grundsteinlegung und am 30.Dezember 1914 wurde das Gebäude am Bülowplatz eingeweiht. Die Berliner Volksbühnenbewegung wurde zur Keimzelle einer großen Theaterbesucherbewegung. Schon 1893/94 kam es zu Gründungen in Hamburg, Hannover und Kiel. Die älteste Volksbühne nach Berlin wurde Bielefeld, die seit 1905 besteht.

Der große Aufschwung setzte nach 1918 ein. Schon 1923 gab es 80 Volksbühnen mit 400000 Mitgliedern. 1931 zählte man sogar 313 Volksbühnen.

Die Volksbühnenvereine wurden 1933 "gleichgeschaltet" und später zugunsten der "NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude" völlig ausgelöscht. Trotz Diktatur und Krieg war die Idee der Volksbühnenbewegung lebendig geblieben. Schon bald nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches kam es zu Wiedergründungen und Neugründungen von Volksbühnen. Zu den ersten zählten Düsseldorf, Hamburg, Köln, Osnabrück und Wuppertal.

Nach der Währungsreform, in der auch viele Bühnen zu spielen aufhörten, erwies sich die Bedeutung der Volksbühne für das Theater: An manchen Orten stellten sie den einzigen sicheren Einnahmeposten im Etat der Bühne dar.

1950 wurde die Volksbühne/Theatergemeinde Gelsenkirchen gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehörte u.a. der spätere Oberbürgermeister Hubert Scharley. Der Name "Volksbühne Gelsenkirchen" änderte sich in "Theatergemeinde Gelsenkirchen".

Mit dem Neubau des Musiktheaters wurde das Gebäude zum festen Bestandteil des Theaterangebotes durch die Theatergemeinde. Die Geschäftsstelle befindet sich seit mehr als 40 Jahren im Musiktheater. Mit der Spielzeit 2010/2011 besteht die Theatergemeinde Gelsenkirchen 60 Jahre.